Wer denkt, dass Mobilität in Deutschland klimafreundlich ist, der irrt. Seit 1990 sind die CO2-Emissionen im Transportsektor sogar gestiegen. Wie kann das im hoch technisierten Deutschland sein? Professor Asteroth, Forscher für effiziente Transportalternativen, hat Antworten. // von Elena Kohl

Mit einem Überblick zur Klimageschichte beginnt Professor Asteroth seinen Vortrag zur Klimafreundlichkeit der Personenmobilität. Warum so weit ausholen? Mit den Erkenntnissen der Meteorologen, die Kalt- und Warmzeiten mit unterschiedlicher Zusammensetzung der Atmosphäre auf einem Zeitstrahl abgebildet haben, wird deutlich, wie dramatisch die Temperaturentwicklung des letzten Jahrzehnts ist. Er ist überzeugt, dass das Zeitfenster, um der Erderwärmung entgegenzuwirken, nur noch wenige Jahre beträgt. „Das heißt, im Idealfall sollte man innerhalb der nächsten Jahre reagieren und zwar mit signifikanten Maßnahmen“, sagt er. Lösungen für den Bereich der individuellen Personenmobilität sind seiner Meinung nach kleinere, leichtere, langsamere sowie muskelbetriebene Fahrzeuge.


 

Wenn die Wirtschaft floriert, steigen die Emissionen

Für Asteroth sind die Emissionen zu hoch (Bild: Katharina Seuser)

Die Tatsache, dass gerade der Transportsektor in Sachen Klimafreundlichkeit so sehr hinterherhinke, sei der Auslöser für ihn gewesen, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen: So ist der Anteil der von Autos verursachten CO2-Emissionen seit 1990 von acht auf nahezu 13 Prozent der Gesamtemissionen angestiegen. Der CO2-Ausstoß des internationalen Flugverkehrs habe sich sogar seit 1990 knapp verdreifacht. Einen möglichen Grund für diesen Anstieg der Emissionen sieht Alexander Asteroth insbesondere in der Wirtschaft. EU-Statistiken stützen diese Annahmen, da sie den Zusammenhang zwischen der Höhe der Emissionen und der Wirtschaftlichkeit eines Landes sowie den Zusammenhang zwischen Wirtschaftlichkeit und der Entwicklung der Emissionen von Automobilen zeigen. Auch der Anstieg der CO2-Emissionen in Deutschland während der Finanzkrise in 2007 zeigt den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Emissionen: Diese unerwartete Entwicklung lag Alexander Asteroth zufolge an dem Konjunkturprogramm der Regierung, insbesondere an der sogenannten Abwrackprämie. Viele Deutsche hätten sich damals ein neues Auto gekauft.

Kleinere, leichtere und langsamere Fahrzeuge sind die Lösung

Ob Elektroantrieb oder konventionell: Automobile haben für Asteroth keine Zulunft. (Bild: Pixabay)

Viele Forschungsinstitutionen befassen sich derzeit mit klimafreundlichen Mobilitätskonzepten und entwickeln Empfehlungen für Politik und Gesellschaft. Für Forscher der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina ist die Elektromobilität eine Lösung. Alexander Asteroth schließt sich dieser Meinung jedoch nicht an, da der Emissionsverbrauch bei Elektroautos stark von der möglichen Reichweite abhängig sei. Es würden leichtere, kleinere und langsamere Fahrzeuge benötigt werden, um die CO2-Emissionen deutlich zu senken. Zudem ist Alexander Asteroth überzeugt, dass die aktuell verfügbaren Automobile nicht für eine umweltfreundliche Zukunft geeignet seien und somit die Emissionsziele in den nächsten Jahren nicht erreicht werden könnten.

ÖPNV benötigt alternative Antriebe

Einen wichtigen Baustein der umweltfreundlichen Personenmobilität sieht Alexander Asteroth im ÖPNV. Jedoch auch nur dann, wenn die Bahnen und Busse langfristig auf Elektroantrieb oder Wasserstoff umgestellt werden würden. Fahrräder, Velomobile, muskelbetriebene Leichtfahrzeuge und City-Cars sind seiner Meinung nach die wichtigsten Bausteine zur Reduzierung der Emissionen. „Ich glaube nicht, dass es in Deutschland möglich sein wird, das Auto abzuschaffen. Das werden sich die Deutschen nicht nehmen lassen. Aber vielleicht gibt es doch langsam ein Umdenken“, resümiert Alexander Asteroth.

 

Die gesamte Vorlesung gibt es hier zu sehen:

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