Die Klimakrise überwinden mit Erneuerbarer Energie – dieser Aufgabe widmet sich heute Bärbel Höhn in Afrika. In der Ringvorlesung erläutert sie, warum sich die Kohle weder dort noch in Deutschland lohnt und warum es so wichtig ist, dass Deutschland nicht mehr in alte Technik investiert. // von Véronique Braun

„Wir müssen dringend unsere Wirtschaft ändern, wir müssen dringend den CO2-Ausstoß verringern!“ Das ist die zentrale Forderung von Bärbel Höhn. Sie begründet dies in ihrem Vortrag mit den hohen CO2-Emissionen in Deutschland, die mit jährlich acht Tonnen pro Kopf sogar über dem EU-Durchschnitt liegen. Die Lösung ist ihrer Meinung nach der konsequente Ausbau der Erneuerbaren Energien. Afrika solle unterstützt werden, eine dezentrale und ebenfalls auf Erneuerbarer Energie basierende Energieversorgung aufzubauen. Der Zugang zu grüner Elektrizität wäre wichtig für die Armutsbekämpfung und für die nachhaltige Entwicklung.


 

CO2-Emissionen müssen gesenkt werden 

Die Klimaerwärmung hängt mit dem CO2-Gehalt der Atmosphäre zusammen, erklärt Bärbel Höhn. Durch die Verbrennung fossiler Energieträger steigt der Gehalt immer weiter an. Wenn das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden soll, dürfen die Menschen in Deutschland nur noch sieben Jahre lang CO2 freisetzen, danach sei ihr „Budget“ aufgebraucht. Bärbel Höhn vergleicht diese Problematik mit Geld, das monatlich für die Lebenshaltung zur Verfügung steht: Wird es bereits am Anfang des Monats ausgegeben, gibt es am Ende des Monats ein Problem. Dass nur noch wenig Zeit für die deutliche Reduzierung der Emissionen verbleibt, liegt daran, dass in der Vergangenheit zu wenig gespart wurde: Zwischen 2009 und 2017 gab es in Deutschland keinen wesentlichen Rückgang der Emissionen. Deshalb fordert Bärbel Höhn, dass die Wirtschaft dringend geändert werden müsse.

Das für 2020 angepeilte Ziel, eine CO2-Reduktion von 40 Prozent zu erreichen, wird durch die Corona Krise und den EU-Emissionshandel (EU-ETS) wahrscheinlich erreicht. „Klimaschützer freuen sich darüber nicht“, stellt Bärbel Höhn klar, „denn der Stillstand verändert nichts. Wenn wir jetzt nicht die Weichen richtig stellen, wird es später schwierig werden.“

Kohle lohnt sich nicht, wird aber weiter subventioniert

„Wir (Anm. d. Red.: Die Grünen) haben es geschafft, dass durch die Diskussionen unglaublich viel über Klimaschutz gesprochen wurde.“ (Bild: Katharina Seuser)

Ein Grund für die hohen durchschnittlichen CO2-Emissionen in Deutschland ist die Verstromung von Kohle. Das Beharren der Politik, der Wirtschaft und der Gewerkschaften an alter Technik hält Bärbel Höhn für „unglaublich problematisch“, das würde man heute auch am Beispiel der Automobilindustrie sehen. Unverständlich findet Bärbel Höhn, dass der Kohleausstieg mit hohen Subventionen für die Kraftwerksbetreiber verbunden sei: „Das Geld wäre besser in Erneuerbare Energien investiert worden.“ Letztendlich würde sich der Kohlestrom schon heute nicht mehr lohnen. Der Emissionshandel habe lange Zeit nicht funktioniert, fange nun aber an, Wirkung zu zeigen. Die Zertifikate würden immer teurer, der Anteil des Kohlestroms ginge zurück. Bei einem Börsenpreis von drei Cent je Kilowattstunde lohne sich weder Braun- noch Steinkohleverstromung. Im Jahr 2019 betrug der Anteil an Kohle an der deutschen Stromerzeugung noch 30 Prozent – im Februar 2020 lag der Kohleanteil nur noch bei 17 Prozent, während 61 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammten.

Afrika benötigt Elektrizität

So grundlegend sich die Situation in Afrika von der in Deutschland unterscheidet – in Bezug auf die Energiegewinnung hält Bärbel Höhn auch dort den Ausbau der Erneuerbaren Energien für den richtigen Weg. „Wir müssen den Menschen in Afrika Zugang zur Elektrizität ermöglichen“, fordert sie. Im Prinzip ginge es dabei um Armutsbekämpfung und nicht um Klimaschutz.

Wie groß die Herausforderungen in Afrika sind, untermauert Bärbel Höhn mit Fakten und Zahlen: Bei Afrika handelt es sich um einen jungen schnell wachsenden Kontinent, der voraussichtlich im Jahre 2040 zwei Milliarden Menschen zählen wird. In den Ländern südlich der Sahara, in denen Bärbel Höhn ehrenamtlich als Energiebeauftragte für das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit BMZ unterwegs ist, sei die Hälfte der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. Dort habe auch etwa die Hälfte der Bevölkerung aktuell keinen Strom. Derzeit wird in ganz Afrika kaum mehr Energie verbraucht, als in Deutschland. Eine Studie des Mercator Institute Climate Change zeigt, dass von 2005 bis 2015 der CO2-Ausstoß in Afrika nur um sechs Prozent gestiegen ist. Neben Gas, Solarenergie und Wasserkraft nutzt Afrika, wie Bärbel Höhn sagt, auch „schmutzigen Strom“ aus Öl und Diesel. Zudem werde auch Kohle verstromt.

Erneuerbare Energie für die wirtschaftliche Entwicklung

Die Windenergie wird laut Höhn durch die Abstandsregelungen stark ausgebremst. (Bild: Pixabay)

„Wir sollten darauf achten, dass nicht immer mehr Kohlekraftwerke in Afrika gebaut werden“, sagt Bärbel Höhn. Aber sie räumt auch ein, dass Deutschland Afrika nicht vorzuschreiben könne, keine weiteren Kohlekraftwerke zu bauen, solange es selber noch Kohle nutze. „Deswegen argumentieren wir stärker damit, dass erneuerbare Energien kostengünstiger sind.“ Ziel sei es, Strom in allen Regionen Afrikas zur Verfügung zu haben und damit für eine Verbesserung der Lebensqualität zu sorgen. Dabei solle Afrika das Kohlezeitalter überspringen und direkt auf eine „grüne Bürgerenergie“ setzen. Dieses Ziel möchte Bärbel Höhn in Zusammenarbeit vor Ort erreichen: „Wir wollen das mit der Bevölkerung zusammen machen.“ Dabei soll auf eine dezentrale Lösung gesetzt werden mit speziellen Finanzierungs- und Subventionsmaßnahmen. Wichtig sei, dass die Strukturen, die jetzt entstehen, nachhaltig und zukunftsfähig sind.

 

Den gesamten Vortrag gibt es hier zum nachschauen:

Written by 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit Absenden des Formulars erkären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung der darin eingegebenen personenbezogenen Daten einverstanden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.