Wohin mit dem Plastik? Das ist heute die große Herausforderung für die kommunalen Entsorgungsunternehmen. Ludgera Decking, Vorständin und Geschäftsführerin der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft RSAG ist der Meinung, dass nicht nur Technik, Knowhow und die Politik gefragt sind, sondern wir alle. // von Dilan Güldas

Die Stadt 4.0 ohne Müll ist noch eine Vision. Zumindest wird es sie 2030 noch nicht geben, ist Ludgera Decking überzeugt. Allerdings arbeite die RSAG bereits seit Jahren darauf hin. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass das kommunale Unternehmen für 600.000 Bürger und Bürgerinnen und 11.000 Unternehmen zuständig ist.

Erste Erfolge bei Müllvermeidung

So klein ist der Anteil an recyceltem Plastikmüll. Foto: Marcel Randazzo

Es sind die Dinge des täglichen Lebens, die Probleme bereiten. So hat beispielsweise die Einführung der Coffee-to-go-Becher vielerorts zu überquellenden Abfalltonnen geführt und die Plastik-Deckel dürften kaum getrennt entsorgt werden. Aus diesem Grund ist die Frage nach „Coffee-to-Go ohne Deckel“ auch so aktuell, erklärte Ludgera Decking. Ihrer Meinung nach hat aber das Bewusstsein für das Entsorgungs- und Recyclingproblem in der Gesellschaft zugenommen und die „Plastikprobleme“ würden heute erkannt.

„Kein Kunststoff in die Biotonne“

Aktuell bereiten jedoch gerade die Kunststoffe Probleme, die als besonders umweltfreundlich gelten. So nutzen immer mehr Menschen Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff für ihre Bio-Abfälle. Diese Tüten würden im Kompostwerk nicht verrotten, weil sie dazu viel mehr Zeit bräuchten und das sei vielen Verbrauchern nicht bewusst, sagte Ludgera Decking. Die Konsequenz wäre, dass die Kompostwerke die Tüten aussortieren und anschließend verbrennen müssten. Ludgera Decking appellierte daher: „Kein Kunststoff in die Biotonne!“

Mischkunststoffe gehören in den Restabfall

Bis in die hintersten Reihen des Hörsaals wurde das Mikrofon gereicht. Foto: Johanna Schuh

Was machen die Entsorger, wenn sie Mischprodukte entsorgen? Sortenreiner Kunststoff kann recycelt werden, aber Mischkunststoffe nicht. Für den Verbraucher sei es sehr schwierig, Kunststoffe zu unterscheiden. „Was machen Sie beispielsweise mit einer leeren Wimpertusche?“ fragte die Gastrednerin ihr Auditorium. Und sie löste das Rätsel auf: Heute gehöre die leere Wimperntusche noch in den Restabfall, weil sie mit großer Sicherheit aus Mischkunststoffen besteht. Diese müssten sortenrein getrennt werden, um recycelt werden zu können und das sei mit der heutigen Technik noch nicht möglich.

Das Duale System Deutschland verliert sein Monopol

Studierende aus allen Fachgebieten in der Diskussionsrunde. Foto: Henry Hausmann

Ludgera Decking ging auch auf das Duale System Deutschland DSD ein. Dabei handelt es sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das in Abstimmung mit den kommunalen Entsorgungsunternehmen die Vorgaben der deutschen Verpackungsverordnung umsetzen soll. Das DSD vergibt Lizenzen für Unternehmen, die den Verpackungsmüll sammeln, sortieren und verwerten. Nachdem die EU-Kommission nun das Monopol des DSD aufgehoben hat, befürchtet Ludgera Decking, dass der Wettbewerb unter den Entsorgungsunternehmen für den Verbraucher nachteilig sein wird. Künftig dürften Umweltaspekte bei der Abfallentsorgung eine noch geringere und die Gewinnmaximierung eine noch größere Rolle spielen und die ökologische Lenkungswirkung des dualen Systems dürfte abnehmen. Zudem wüssten heute schon viele Verbraucher nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn Mülltonnen nicht abgeholt werden. In solchen Fällen sei oft das kommunale Unternehmen der Ansprechpartner.

Ludgera Decking beendete ihren Vortrag mit einem Appell: „Trennen Sie sorgfältig und entsorgen Sie ihren Müll richtig.“ Das wäre für das Recycling von Kunststoffen wichtig.

Umfrage des Publikums während der Veranstaltung

Während der Veranstaltung wurden Umfragen mithilfe des Umfrage-Tools “Pingo” durchgeführt. Hier die Ergebnisse:

Screenshots & Umfrage: Noemi Kolloch

Nachfolgend eine Meinungen eines Studierenden zu der Veranstaltung:

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