Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Welche Trends gibt es und wie klimafreundlich sind sie? Für Theodor Gassmann, Director Advanced Engineering der Driveline International GmbH, gibt es viele mögliche Antworten. Eins steht für ihn jedoch fest: Auch 2050 wird es noch fossile Kraftstoffe geben. //von Hannah Panzer

Viele Science-Fiction-Visionen von früher sind bereits Wirklichkeit oder befinden sich in der Entwicklung. So sind autonomes Fahren und das Vernetzen von Geräten, wie zum Beispiel im Smart Home Bereich, keine Neuheiten mehr. Diese Entwicklungen werden voraussichtlich die Zukunft der Mobilität maßgeblich beeinflussen, meint Theodor Gassmann. Allerdings ist er überzeugt, dass die Zahl der Fahrzeuge, der Personenkilometer und der Energiebedarf weiter zunehmen werden. Und er ist überzeugt, dass der Verbrennungsmotor und fossile Kraftstoffe auch 2050 noch eine wichtige Rolle spielen werden – insbesondere in Entwicklungsländern. Anstelle von Ideologien fordert er Pragmatismus und eine realistische Betrachtung der globalen Situation: „Ziel ist nicht der vollständige Ersatz von fossilen Kraftstoffen, sondern die Verminderung der CO2-Emissionen.“


 

Die Zukunft ist elektrisch, aber vieles ist Illusion

Elektroautos müssen bezahlbar gemacht werden, um sie in der Gesellschaft etablieren zu können. (Bild: Pixabay)

Theodor Gassmann möchte mit seinem Vortrag Gedanken zur Mobilität der Zukunft anstoßen, eine umfassende Vision, wie Mobilität und Transport in der Zukunft klimafreundlich gestaltet werden könnten, gäbe es nicht. Als Experte des Weltmarktführers in Antriebstechnologien prognostiziert er aber: „Eines wissen wir, die Mobilität der Zukunft wird elektrisch sein, vom 48-Volt-Motor bis zum Hochvolt-Tesla S.“ Autos werden zudem „connected“ und schnell verfügbar sein, autonom und teilautonom fahren, als Internet-Device dienen. Wir alle seien angesprochen von diesen Bildern, von Hightec und einem Unternehmen wie Tesla, das mehr wert ist als BMW und Volkswagen zusammen. „Alles ist technisch machbar, aber dass das die Welt ist, bezweifle ich.“ Die Welt sei anders. In zehn Jahren würden zwar 60 Prozent aller Menschen in Megacities leben, aber 80 Prozent dieser Metropolen lägen in Entwicklungsländern. „Da brauchen wir andere Konzepte“, ist Theodor Gassmann überzeugt. Elektroautos seien einfach zu teuer und zudem fehle es in Entwicklungsländern an der notwendigen Infrastruktur.

Elektroautos emittieren zu viel CO2

Auch die Änderungen im Verkehrssektor müssen kritisch begutachtet werden. (Foto Pixabay)

In Deutschland nimmt zwar mittlerweile der Verkauf von Elektroautos zu, aber diese Entwicklung sei mit Vorsicht zu genießen: „Die Verwendung von E-Autos macht nur dann Sinn, wenn erneuerbare Energien verwendet werden.“ Der Energieaufwand für die Herstellung und Nutzung der Batterien in elektrisch betriebenen Fahrzeugen sei hoch. Zurzeit würden Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos verwendet und die Gewinnung von Lithium sei nicht klimaneutral, so der Ingenieur. Zudem geschehe das Aufladen der Batterien in den seltensten Fällen mit grünem Strom. Daher sei die Fahrt mit einem E-Auto zwar klimafreundlich, der Weg dorthin jedoch meist mit einem hohen CO2-Ausstoß verbunden. „Beim deutschen Strommix kommt der CO2-Break-even erst bei 50.000 Kilometer“, gibt Theodor Gassmann zu bedenken.

Brennstoffzellen-Technologie ist nicht ausgereift

Die Brennstoffzellen-Technologie, bei der Wasserstoff als Energieträger genutzt wird, ist laut Theodor Gassmann noch nicht ausgereift. „Es gibt schon Brennstoffzellen-Autos – Toyota hat eines auf den Markt gebracht – aber Brennstoffzellen befinden sich noch auf einer sehr frühen Entwicklungsstufe“, sagt der Ingenieur. Die Technologie sei noch nicht ausgereift genug, auch kostenmäßig nicht, um einen großen Markt-Impact zu haben. 

Verbrennungsmotoren werden zunehmen

„Deutschland ist nur ein kleines Puzzleteil in der gesamten Klimathematik”, so Gassmann (Foto: Pixabay)

Nach Einschätzung von Theodor Gassmann werden Verbrennungsmotoren weiter zunehmen: „Wir werden in den nächsten 20 Jahren einen Zuwachs an Verbrennungsmotoren sehen“. Gerade in den Entwicklungsländern dürfte es mit steigendem Wohlstand zu einem starken Anstieg kommen. Es gäbe bereits 1,4 Milliarden Autos auf der Welt und die würden nicht einfach verschwinden. So prognostiziert Theodor Gassmann, dass bis 2050 der Verbrennungsmotor der dominierende Antrieb bleiben dürfte. Deshalb sei es eine Illusion, dass es bis 2050 keine fossilen Kraftstoffe mehr gebe. Eine klimafreundliche Lösung könnten E-Fuels sein, Kraftstoffe, die aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden.

E-Fuel könnte fossile Kraftstoffe ersetzen

Diese Kraftstoffe könnten auch in anderen Transportsparten helfen, CO2-Emissionen einzusparen, zum Beispiel im Flugverkehr. Gassmann ist überzeugt: „Um das Thema Fliegen umweltfreundlich gestalten zu können, brauchen wir grünes e-Kerosin“. Flugzeuge allein elektrisch anzutreiben, ist aktuell unmöglich. Derzeit wird aber an Hybridlösungen gearbeitet. Hierbei wird ein Elektro-Antrieb beim Starten des Flugzeuges oder beim Fahren auf der Rollbahn genutzt. In der Luft sei aufgrund der zu geringen Speicherkapazität der Batterien nur ein Verbrennungsmotor möglich. Der Wandel von der Nutzung der fossilen Brennstoffe hin zur Klimaneutralität sei allerdings noch ein langer Weg.

CO2-Emissionen müssen verringert werden

Gassmann erklärt: „Fleischkonsum macht mehr an Emissionen aus als unser Transport. Dann muss man auch denjenigen kritisch anschauen, der sich das dritte Steak auf den Grill legt.“ (Foto: Pixabay)

Gassmann führt aus, dass nicht nur im Transportwesen eine Veränderung eintreten sollte. Auch die Fleischproduktion führe zu einem massiven Anstieg der CO2-Werte in der Atmosphäre. So werden 13 Prozent der CO2-Emissionen auf Fahrzeuge zurückgeführt, jedoch 18 Prozent auf die Fleischproduktion. Um den globalen Treibhauseffekt aufzuhalten, sollte nach Gassmann in allen Branchen an umweltfreundlichen Alternativen gearbeitet werden. Auch die Nutzung des Internets und von Clouddiensten erhöhe die CO2-Emissionen enorm. „Wir brauchen mehr Energie und wollen immer weniger CO2“, brachte Gassmann den Konflikt auf den Punkt.

Gleichzeitig appelliert er an die Offenheit der Menschen für neue Wege. Das Ziel sei nicht der vollständige Ersatz fossiler Energieträger, sondern die Verminderung der CO2-Emissionen. Das Umdenken in der Bevölkerung hin zur Nutzung von Erneuerbaren Energien sei der erste Schritt zu geringeren CO2-Emissionen und damit der Weg zur klimafreundlichen Mobilität.

Die vollständige Vorlesung gibt es hier zum nachschauen:

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