Antikörper gegen das Corona-Virus sind bei einem Fünftel der Genesenen schon nach wenigen Monaten nicht mehr nachweisbar – zu diesem Ergebnis kamen Forschende der Rheinlandstudie. Der Epidemiologe Ahmad Aziz informiert über die Studie und welchen Beitrag populationsbezogene Forschung im Prinzip gegen jede Krankheit leisten kann.// von Dominik Albrecht

“Vielen Dank nochmals für die Einladung!”, beginnt der Epidemiologe und Facharzt für Neurologie Dr. Dr. Ahmad Aziz seinen Vortrag über populationsbezogene Forschung in Coronazeiten, ehe er einen historischen Rückblick ins frühe 19. Jahrhundert Londons wagt und den Studierenden eine interessante Geschichte über den Ursprung der modernen Epidemiologie erzählt. „Epidemiologie kann man definieren als die Wissenschaft, die sich mit der Gesundheit von Populationen und nicht von Einzelpersonen befasst“, erklärt er. Die seiner Meinung nach aus heutiger Sicht eher trivial klingende Methode sei zur damaligen Zeit revolutionär gewesen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse seien der Grundstein für die heutige Forschung zu bevölkerungsabhängiger Krankheitsentstehung, -übertragung und ihren sozialen Folgen. Eine der weltweit größten epidemiologischen Studien ist die Rheinland-Studie am Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn, an dem der in den Niederlanden promovierte Epidemiologe Aziz forscht.

Dr. John Snow – der Held der Epidemiologie

Covid-19: die weltweite Pandemie, Quelle: Pixabay

“Und hier ist unser Held in der Epidemiologie: Dr. John Snow”, stellt Dr. Aziz vor. Diesem gelang es, im 19. Jahrhundert die Ursache der Choleraausbrüche in Zentral-London mit Hilfe nicht medizinischer Daten in Form von Karten und Zahlen ausfindig zu machen. Seine Hypothese war es, dass verunreinigtes Wasser für die Ursache eines lokalen Choleraausbruchs sein könnte. Daraufhin analysierte er die örtlichen Infektionen und stellte eine erhöhte Infektionsrate in der Region um die Broad Street fest, die über eine populäre Wasserpumpe verfügte. Die von Snow gelieferten Erkenntnisse verhalfen den Londonern, die Cholera durch die Schließung dieser Wasserquelle in den Griff zu bekommen. Er zeigte, dass Keime im Wasser und nicht „üble Luft“, wie damals angenommen, die Krankheit auslösten und legte den Grundstein für die Rolle der Epidemiologie bei der Umsetzung von Hygienemaßnahmen.

Die Rheinland-Studie

Knapp 200 Jahre später arbeitet Aziz an Datenerfassungen und -Auswertungen im Rahmen der Rheinland-Studie. Diese ist circa der Hälfte der Studierenden bekannt, wie eine Befragung während des Vortrags ergibt. Bei der Rheinland-Studie handelt es sich um eine prospektive Kohortenstudie, die sich auf eine Dauer von mehreren Jahrzenten erstreckt. Dafür werde eine detaillierte Bestandsaufnahme der Gesundheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemacht und alle drei bis vier Jahre wiederholt. Ziele der Studie seien, die Biomarker zu identifizieren, die für ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer verantwortlich sind, die Ursachen der Entstehung dieser Krankheiten und die Faktoren für ein gesundes körperliches und geistiges Altern zu erkennen. Aziz betont hierbei die Wichtigkeit der Langzeitstudien, um akkurate Daten über die gesamte Lebensspanne zu gewinnen. So könnten bestimmte Umwelt- und Lifestylefaktoren und deren Auswirkungen besser eingeschätzt werden.

 

Corona-Forschung für Rheinland-Studie ein “No-Brainer”

Ganze Populationen kämpfen zusammen gegen Covid-19, Quelle: Pixabay

Als “No-Brainer”, zu Deutsch Selbstverständlichkeit, bezeichnet der Epidemiologe den Entschluss, zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beizutragen. “Obwohl mir klar ist, dass die meisten von uns zu Amateurvirologen geworden sind, möchte ich Ihnen kurz das Antikörpertestverfahren erläutern”, witzelt Dr. Aziz, ehe er den Studierenden von der Bestimmung der verschiedenen Antikörper und deren Bindung an die SARS-CoV-2 Viren erklärt. Im Rahmen seiner Forschungen unterteilt das Team um Aziz die Corona-Untersuchungen in vier Phasen, wobei die ersten beiden bisher abgeschlossen wurden. Aus den Ergebnissen dieser zogen die Forscher Rückschlüsse auf die Häufigkeiten diverser Symptome des Corona Virus und wie das Auftreten dieser mit einer tatsächlichen Erkrankung in Zusammenhang stehen. Auch Vorerkrankungen und der Impfstatus – dabei handelte es sich um Impfungen gegen Tuberkulose, Grippe und Pneumokokken, weil es im Frühjahr 2020 noch keine Corona-Impfung gab – wurden untersucht.

Antikörper teils nach kurzer Zeit nicht mehr nachweisbar

Von den untersuchten Personen wiesen ein Prozent Antikörper nach dem ELISA-Verfahren auf und nur 0,36 Prozent so genannte neutralisierende Antikörper, die sehr spezifisch auf SARS-Cov-2 regieren. Eine Wiederholung der Blutuntersuchungen im Herbst 2020 zeigte, dass bei 20 Prozent der Personen, bei denen im Frühjahr spezifische Antikörper gefunden wurden, keine mehr nachgewiesen werden konnten. Weder Alter noch Geschlecht, Vorerkrankungen oder Impfstatus zeigten einen Einfluss. Abschließend dankt Aziz allen Beteiligten der Rheinland-Studie und verweist auf die ausführlichen Ergebnisse seiner Studie in Form eines e-Papers, in dem sich Interessierte einen detaillierteren Einblick in die Studienfelder seines Teams verschaffen können.

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Die gesamte Vorlesung gibt es hier zu sehen:

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