“Welche Schlüsse können aus unseren Internetdaten gezogen werden?” Dieser Frage ging Professor Christian Bauckhage in seinem Vortrag am 16. Mai an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nach. Ein wichtiges Thema im Facebook-Zeitalter, denn jeder Internetnutzer gibt mehr von sich preis, als er vermutet. // Von Christiane Reher

13.6.2013 // “Wir leben in einer Zeit, in der das für jeden von uns zugängliche Datenvolumen explosionsartig wächst”, skizzierte Bauckhage zu Beginn seines Vortrages die Ausgangslage. Bereits im August 2010 habe die im Internet verfügbare Informationsmenge ein Zettabyte erreicht. Bei einem Zetta handele es sich um eine 1 mit 21 Nullen. “Data, Data everywhere” hatte der Forscher des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme daher seinen Vortrag betitelt, “Informationstechnologien und die Gesellschaft von Morgen.” Er referierte im Rahmen der Ringvorlesung “Technik- und Umweltethik”.

Facebook drittgrößte Gemeinschaft der Welt

Antreiber der wachsenden Datenflut sind die sozialen Medien wie Facebook, Youtube und Twitter. Laut des Datenexperten werden allein auf Youtube 48 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen. Während es 38 Jahre gedauert habe, bis das Radio 50 Millionen Menschen erreicht habe, dauerte es bei Facebook keine zwei Jahre und bei dem Spiel Farmville nicht einmal sechs Monate. Mittlerweile zähle Facebook hinter China und Indien zur drittgrößten menschlichen Gemeinschaft der Welt.

Kostenlose Daten überall

Bauckhage zitierte auch Hal R. Varian, Chefökonom bei Google. Dieser habe gesagt, der “sexiest job” in den nächsten zehn Jahren sei Statistiker. Damit behalte Varian Recht, wenn man sich einmal anschaue, was man mit den kostenlos in den sozialen Netzwerken zur Verfügung stehenden Daten anstellen kann. Der Forscher stellte auch das Beispiel eines Künstlers vor, der auf Twitter nach Tweets gesucht hat, die “just landed in…”, also “Ich bin gerade in … gelandet.” enthielten. “Es gibt ungefähr tausend Tweets pro Minute mit diesem Satz”, erklärte Bauckhage. Um die Reiseroute von A nach B zu ermitteln, wurde geschaut, ob derjenige in seinem Twitterprofil seine Heimatadresse angegeben hatte. Der Künstler hat dies mit vielen Profilen gemacht und so eine Landkarte mit Flugrouten entwickelt, die sich über die ganze Welt erstreckt.

Schlussfolgerungen durch Daten

Bauckhage selbst hat insgesamt 120 Internetdienste zum Thema “soziale Netzwerke” mit der Frage untersucht, wie sich kollektives Interesse im Verlauf der Zeit entwickelt. Mit seinen Datenauswertungen konnte er zeigen, dass Voraussagen über die Entwicklung von sozialen Netzwerken getroffen werden können. Seine zentrale Beobachtung: Kollektives Interesse wächst schnell, verblasst aber auch wieder. Nur ein einziger Dienst konnte diese Entwicklung bislang dauerhaft stoppen: die Videoplattform Dailymotion. “Ich kann Ihnen nicht sagen, warum etwas passiert, ich kann nur beobachten, dass extreme Regelmäßigkeiten vorhanden sind”, sagte der Forscher. Nur bei Internetdiensten mit einer realen wirtschaftlichen Bedeutung, wie beispielsweise der Verkaufsplattform Amazon, wachse die Verlaufskurve kontinuierlich weiter.

Kommunikationstechnologie wächst und wächst

2008 habe eine Initiative des MIT in Boston vorausgesagt, dass bis 2011 weltweit eine weitere Milliarde Menschen Zugang zu mobilen Kommunikationstechnologien haben werde, insbesondere in den Entwicklungsländern, leitete Bauckhage sein Fazit ein. Mittlerweile steige die Datenmenge aber so schnell, dass derartige Voraussetzungen überhaupt nicht mehr getroffen werden könnten. “Und jeder trägt zu diesem Datenberg bei”, betonte der Datenexperte, “aber nur die wenigsten wissen, wie viele Spuren sie im Internet hinterlassen.”

Homepage des Datenexperten Prof. Dr. Christian Bauckhage

Christiane Reher// Video: Phillipp Becker und Simon Mombartz

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